Amir Reichart

Trauma

Auch: Psychisches Trauma, Traumatisierung

Ein Trauma ist keine Eigenschaft des Ereignisses, sondern die Reaktion des Nervensystems darauf. Es entsteht, wenn eine Erfahrung die Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt und der Körper in Alarm oder Erstarrung stecken bleibt. Nicht was passiert ist, entscheidet, sondern was daraus im System zurückbleibt.

Warum der Vergleich nicht funktioniert

Der häufigste Satz von Menschen, die etwas mit sich herumtragen, lautet: „Anderen ist Schlimmeres passiert.“ Das stimmt fast immer und hilft nie. Trauma bemisst sich nicht an der Schwere des Ereignisses, sondern daran, ob der Mensch damals damit allein war.

Genau darin liegt der Unterschied. Ein Kind, das etwas Schweres erlebt und danach gehalten wird, verarbeitet es. Ein Kind, das etwas Kleineres erlebt und damit allein bleibt, oft nicht.

Wie es sich Jahrzehnte später zeigt

Selten als Erinnerung. Meistens als Reaktion, die nicht zur Lage passt: ein Zusammenzucken bei einem bestimmten Tonfall, ein Dichtmachen bei Nähe, eine Wut, die aus dem Nichts kommt und drei Nummern zu groß ist.

Der Körper hat gespeichert, der Kopf hat abgelegt. Deshalb wirkt es von außen unlogisch und ist es innen nicht.

Was hilft und was nicht

Verstehen allein löst es nicht. Viele Menschen können ihre Geschichte präzise erklären und trotzdem hat sich nichts geändert. Was hilft, geht über den Körper und über einen Menschen, bei dem es sicher genug ist, dass etwas hochkommen darf.

Bei schwerer Symptomatik gehört das in psychotherapeutische Hände, nicht ins Coaching.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Trauma und schlechter Erfahrung?

Eine schlechte Erfahrung wird verarbeitet und wird zur Erinnerung. Ein Trauma wird nicht verarbeitet und bleibt als körperlicher Zustand aktiv. Der praktische Test: Kannst du davon erzählen, ohne dass dein Körper reagiert, dann ist es Erinnerung. Springt dein System an, sobald du daran denkst, ist es noch nicht abgeschlossen.

Verwandte Begriffe

Dieser Eintrag dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis. Zurück zur Glossar-Übersicht.