Amir Reichart

Neurozeption

Neurozeption ist die unbewusste Wahrnehmung von Sicherheit und Gefahr. Dein Nervensystem bewertet Stimme, Gesichtsausdruck, Tempo und Körperhaltung deines Gegenübers, bevor dein Verstand etwas davon merkt. Deshalb kannst du dich bedroht fühlen, obwohl objektiv nichts passiert ist.

Schneller als jedes Argument

Der Begriff stammt von Stephen Porges und beschreibt einen Vorgang, der ohne dich abläuft. Dein System liest die Tonlage, bevor es den Inhalt versteht. Es liest die Anspannung im Kiefer deines Partners, bevor du bewusst hinschaust.

Deshalb nützt es wenig, sich zu sagen „das war doch gar nicht so gemeint“. Der Körper hat schon reagiert.

Warum alte Erfahrungen mitlesen

Neurozeption arbeitet mit dem, was gespeichert ist. Wer als Kind gelernt hat, dass Stille im Haus einen Ausbruch ankündigt, dessen System schlägt bei Stille an, auch dreißig Jahre später, auch bei einem völlig anderen Menschen.

Das ist keine Einbildung und kein Fehler. Es ist ein sehr altes Warnsystem, das seine Arbeit macht, mit veralteten Daten.

Verwandte Begriffe

Dieser Eintrag dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis. Zurück zur Glossar-Übersicht.