Amir Reichart

Interozeption

Auch: Körperwahrnehmung, Innenwahrnehmung

Interozeption ist die Wahrnehmung der eigenen Körperzustände: Herzschlag, Atmung, Muskelspannung, Hunger, Enge im Brustkorb. Sie ist die Grundlage dafür, Gefühle zu erkennen. Wer sie kaum spürt, merkt Belastung erst, wenn der Körper deutlich wird.

Der blinde Fleck vieler Leistungsträger

Menschen, die früh gelernt haben, über Signale hinwegzuarbeiten, verlieren den Zugang. Sie merken Hunger nicht, Müdigkeit nicht, Anspannung nicht. Auf die Frage „was spürst du gerade?“ kommt eine Meinung statt einer Empfindung.

Das ist keine Unfähigkeit, sondern eine Anpassung. Wer sich nichts anmerken lassen durfte, hört irgendwann auf hinzuhören.

Wie du sie wieder aufbaust

In sehr kleinen Schritten. Dreimal am Tag zehn Sekunden: Wo sitzt gerade Spannung? Wie tief geht der Atem? Sind die Füße warm?

Es geht nicht darum, etwas zu ändern. Es geht darum, überhaupt wieder etwas zu registrieren.

Verwandte Begriffe

Dieser Eintrag dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis. Zurück zur Glossar-Übersicht.