Amir Reichart

Chronischer Stress

Auch: Dauerstress, Chronische Belastung

Chronischer Stress entsteht, wenn die Stressreaktion dauerhaft aktiv bleibt, weil keine echte Erholung stattfindet. Der Körper stellt permanent Energie bereit, ohne sie abzubauen. Folgen sind Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, körperliche Beschwerden und emotionale Distanz.

Der Punkt, an dem es normal wird

Das Tückische ist die Gewöhnung. Ein System, das seit zwei Jahren erhöht läuft, meldet nicht mehr „das ist zu viel“. Es meldet gar nichts. Deshalb sagen genau die Menschen, bei denen alles auf Anschlag steht, am häufigsten, sie hätten keinen Stress.

Erkennbar wird es meist über Umwege: über den Schlaf, über die Verdauung, über die Reizschwelle zu Hause.

Warum es die Beziehung zuerst trifft

Für den Job funktioniert das System weiter, dafür ist es gebaut. Was zuerst wegfällt, ist das, was Ruhe braucht: Zuhören, Geduld, Lust, Zärtlichkeit, das Interesse an dem, was der andere heute erlebt hat.

Deshalb ist der Satz „zu Hause bin ich nur noch müde“ selten ein Beziehungsproblem und fast immer ein Zustandsproblem.

Häufige Fragen

Wie merke ich, dass mein Nervensystem überlastet ist?

Am zuverlässigsten an drei Zeichen. Erstens: Du wachst nachts auf und der Kopf ist sofort voll. Zweitens: Kleinigkeiten zu Hause lösen große Reaktionen aus, während du im Job völlig ruhig wirkst. Drittens: Freie Zeit erholt nicht mehr, sondern fühlt sich leer oder unruhig an. Wenn zwei davon seit Wochen zutreffen, ist es keine Phase.

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Verwandte Begriffe

Dieser Eintrag dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis. Zurück zur Glossar-Übersicht.