Amir Reichart

Vagusnerv

Auch: Nervus vagus, Zehnter Hirnnerv

Der Vagusnerv ist der längste Nerv des parasympathischen Nervensystems. Er verbindet Hirnstamm, Gesicht, Kehle, Herz, Lunge und Darm. Über ihn meldet der Körper nach oben, wie es ihm geht, und das Gehirn schickt nach unten das Signal, dass Gefahr vorbei ist. Er ist die körperliche Grundlage von Beruhigung.

Warum der Bauch zuerst weiß, was los ist

Ungefähr achtzig Prozent der Fasern des Vagusnervs laufen von unten nach oben, vom Körper ins Gehirn. Der Körper ist also weniger Empfänger als Sender. Was du „Bauchgefühl“ nennst, ist zu einem großen Teil diese Meldung.

Für Gespräche heißt das etwas Unbequemes: Du kannst dich nicht in Ruhe hineindenken. Der Weg läuft andersherum. Der Körper geht zuerst runter, dann folgt der Kopf.

Was ihn erreichbar macht

Der Vagusnerv verläuft durch Kehle, Stimmbänder und Innenohr. Deshalb wirken Stimme, Summen, Singen, langsames Ausatmen und ein warmer Tonfall so unmittelbar. Es ist kein esoterischer Umweg, sondern der direkteste Zugang, den der Körper hat.

Das ist auch der Grund, warum es beim Streit weniger auf deine Argumente ankommt als auf dein Tempo und deine Tonlage.

Häufige Fragen

Wie kann ich den Vagusnerv beruhigen?

Am zuverlässigsten über die Ausatmung. Atme etwa doppelt so lange aus, wie du einatmest, zum Beispiel vier Sekunden ein und acht Sekunden aus, für zwei bis drei Minuten. Auch Summen, langsames Sprechen, kaltes Wasser im Gesicht und Bewegung an frischer Luft wirken. Entscheidend ist nicht die Technik, sondern dass du sie anwendest, bevor die Situation eskaliert, nicht mittendrin.

Verwandte Begriffe

Dieser Eintrag dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis. Zurück zur Glossar-Übersicht.