Amir Reichart

Nervensystem regulieren

Auch: Nervensystem beruhigen, Regulation des Nervensystems

Das Nervensystem zu regulieren heißt, den eigenen Erregungszustand gezielt zu verändern, statt ihm ausgeliefert zu sein. Das geschieht über den Körper: Atmung, Bewegung, Stimme, Berührung, Aufmerksamkeit. Nicht über Einsicht, denn im Alarmzustand ist Einsicht gerade nicht verfügbar.

Die Reihenfolge, die niemand mag

Zuerst der Zustand, dann das Gespräch. Nicht umgekehrt. Fast alle Paare machen es umgekehrt und wundern sich, warum dieselbe Diskussion seit Jahren gleich verläuft.

Es ist keine Frage von gutem Willen. Ein hochgefahrener Körper kann bestimmte Dinge nicht, so wie ein Bein mit Krampf nicht laufen kann.

Was du konkret tun kannst

Im Moment: verlängert ausatmen, langsamer sprechen, Pause vereinbaren mit festem Zeitpunkt, hinsetzen statt stehen.

Auf Dauer: Schlaf, Bewegung, weniger Termine, Menschen, bei denen dein System runterkommt. Das ist unspektakulär und wirkt mehr als jede Technik.

Wo die Grenze liegt

Regulation bringt dich durch Situationen. Sie löst nicht auf, warum dein System bei genau diesem Satz von genau diesem Menschen anspringt. Das liegt meistens in Erfahrungen, die älter sind als die Beziehung.

Häufige Fragen

Wie beruhige ich mein Nervensystem schnell?

Atme zwei bis drei Minuten lang doppelt so lange aus wie ein, zum Beispiel vier Sekunden ein und acht Sekunden aus. Setz dich dabei hin und lass die Füße Bodenkontakt haben. Wenn das nicht reicht, hilft Bewegung: zweihundert Meter zügig gehen. Wichtig ist, das zu tun, bevor du weiterredest, nicht danach.

Wie lange dauert es, bis sich ein Nervensystem beruhigt?

Ein akuter Erregungszustand braucht in der Regel zwanzig bis dreißig Minuten, bis du wieder klar denken und zuhören kannst. Bei starker Aktivierung auch länger. Ein dauerhaft überlastetes System braucht Wochen bis Monate, und zwar nicht durch Übungen allein, sondern durch veränderte Belastung.

Verwandte Begriffe

Dieser Eintrag dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis. Zurück zur Glossar-Übersicht.