Amir Reichart

Bindungsstil

Auch: Bindungsmuster, Bindungstyp

Ein Bindungsstil ist das typische Muster, mit dem ein Mensch Nähe und Distanz regelt. Unterschieden werden vier Stile: sicher, ängstlich, vermeidend und desorganisiert. Er entsteht früh, zeigt sich aber erst deutlich, wenn eine Beziehung nah genug wird, um wichtig zu sein.

Die vier Stile in einem Satz

Sicher: Nähe ist gut, Alleinsein auch. Ängstlich: Nähe beruhigt, Distanz macht Angst. Vermeidend: Distanz beruhigt, Nähe macht eng. Desorganisiert: beides gleichzeitig, Nähe wird gesucht und gefürchtet.

Niemand ist immer nur ein Typ. Unter Druck wird das Muster aber sehr deutlich.

Warum sich bestimmte Stile finden

Ängstlich und vermeidend ziehen sich überdurchschnittlich oft an, weil beide bestätigen, was der andere schon kennt. Sie sucht Nähe, er zieht sich zurück, sie sucht mehr Nähe, er zieht sich weiter zurück.

Es ist kein Pech. Beide erleben in dieser Konstellation etwas Vertrautes, und Vertrautheit fühlt sich für ein Nervensystem wie Sicherheit an, auch wenn sie wehtut.

Häufige Fragen

Kann man seinen Bindungsstil ändern?

Ja, aber nicht durch Wissen. Bindungsmuster ändern sich über wiederholte neue Erfahrungen: jemand bleibt, obwohl du unangenehm warst, jemand kommt zurück, obwohl es Streit gab. Das braucht Jahre, nicht Wochen, und es geht schneller in einer Beziehung mit einem sicher gebundenen Menschen oder in einer stabilen therapeutischen Beziehung.

Verwandte Begriffe

Dieser Eintrag dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Bei anhaltender Belastung wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis. Zurück zur Glossar-Übersicht.